Software in der Schweiz bis doppelt so teuer — was steckt hinter dem Schweiz-Zuschlag?
Dasselbe Abo, derselbe Anbieter, dieselbe Leistung — aber in der Schweiz kostet es bis zu doppelt so viel wie in Deutschland. Der Konsumentenschutz hat nachgemessen. Das Ergebnis ist ernüchternd, und du hast mehr Rechte dagegen als du denkst.
Was der Konsumentenschutz herausgefunden hat
Die Stiftung für Konsumentenschutz hat Software-Abonnements in der Schweiz und Deutschland systematisch verglichen. Das Resultat: Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten zahlen für identische Dienste oft massiv mehr — und zwar nicht nur wegen des Wechselkurses.
| Dienst | Preis Schweiz | Preis Deutschland | Faktor |
|---|---|---|---|
| Jimdo Start | CHF 24.–/Mt. | EUR 12.20/Mt. | ~2× |
| Dropbox | Eigener CHF-Preis | EUR-Preis | erhöht |
| pCloud | Eigener CHF-Preis | EUR-Preis | erhöht |
Besonders stossend: Von 8 angefragten Unternehmen antworteten nur 4. Eine substanzielle Begründung für die Preisdifferenz lieferte keine einzige. Die Argumente — «lokale Marktbedingungen», «Wechselkursschwankungen» — stuft der Konsumentenschutz als schwammig und nicht überzeugend ein.
Was ist Geoblocking — und warum ist es in der Schweiz verboten?
Geoblocking bedeutet, dass ein Anbieter dir aufgrund deines Standorts andere Preise anzeigt — oder den Zugang zu günstigeren Angeboten aktiv sperrt. Technisch läuft das meist über Geotargeting: Die .com-Website erkennt deinen Schweizer Standort und leitet dich automatisch auf die teurere CH-Version um.
Mit der Fair-Preis-Initiative, die der Konsumentenschutz massgeblich vorangetrieben hat, gilt seit 2022 Art. 3a UWG: Ungerechtfertigtes Geoblocking gegenüber Schweizer Konsumentinnen ist wettbewerbswidrig und damit rechtswidrig. Trotzdem setzen viele Anbieter die Praxis fort.
Die Tricks der Anbieter
Dass das Verbot auf dem Papier gilt, heisst nicht, dass es konsequent eingehalten wird. Typische Methoden, die Konsumentenschützer dokumentiert haben:
- Geotargeting auf .com-Seiten: Du wirst automatisch auf die CH-Version umgeleitet, ohne es zu merken.
- Preis erst bei Kasse sichtbar: Der günstigere Basispreis wird angezeigt, der Schweiz-Zuschlag erscheint erst beim Bezahlvorgang.
- Keine Preistransparenz: Ein direkter Vergleich ist für Konsumentinnen kaum möglich, ohne technische Hilfsmittel.
Was du konkret tun kannst
1. Preis direkt vergleichen
Rufe die internationale Seite des Anbieters direkt auf (z.B. .com statt .ch) und vergleiche den dort angezeigten Preis mit deiner aktuellen Rechnung. Oft genügt schon das.
2. Preisanpassung verlangen
Wenn du eine ungerechtfertigte Preisdifferenz findest, kannst du den Anbieter direkt kontaktieren und eine Anpassung auf den Marktpreis verlangen — unter Verweis auf Art. 3a UWG.
3. Bei Nichtreaktion: kündigen
Reagiert der Anbieter nicht oder lehnt er ab, hast du je nach Vertragslage ein ausserordentliches Kündigungsrecht. Besonders wenn dir der Preis durch intransparentes Geoblocking zu hoch angesetzt wurde, ist das eine berechtigte Grundlage. Mehr dazu im Artikel Preiserhöhung beim Abo — was steht dir in der Schweiz zu?
4. Melden
Verstösse gegen das Geoblocking-Verbot kannst du der Stiftung für Konsumentenschutz oder der Wettbewerbskommission (WEKO) melden.
Mit abokompass erfasst du alle Abos zentral — inkl. Preisverlauf. Wenn ein Anbieter den Preis still anhebt, siehst du es sofort im Verlauf, bevor du es auf der Kreditkartenabrechnung merkst.
Warum das Thema grösser ist als ein einzelner Anbieter
Geoblocking bei Software ist kein Einzelfall — es ist ein strukturelles Muster. Viele Schweizer zahlen Jahr für Jahr Hunderte Franken mehr als nötig, ohne es zu wissen. Die Summe über alle Abos kann schnell CHF 200 bis 400 pro Jahr ausmachen.
Wer seine Abos aktiv verwaltet, den Preisverlauf im Blick hat und weiss, wann eine Kündigung möglich ist, hat gegenüber intransparenten Anbietern einen echten Vorteil. Genau dafür ist abokompass gebaut — nicht als Vergleichsportal, sondern als persönliches Werkzeug für alle, die ihre Ausgaben kennen und kontrollieren wollen.
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